Schönheitssalon

Wir befinden uns an einem mediensoziologischen Scheideweg: Die Optionen unserer Selbstgestaltung und die Auffassung davon, was menschlich schön ist, verändern sich so rasant, dass ich ein großes Gesprächsbedürfnis wahrnehme. Und genau deshalb starte ich den Schönheitssalon.
— im Interview mit "Monopol Magazin"

Wir behandeln die Ästhetik der Gegenwart. Jeden Monat in der Berliner Urania.

Tamara de Lempicka, “Selbstporträt (im grünen Bugatti)”, 1929;
Nicki Minaj, im pinken Lamborghini, 2022

In der Spielzeit 2025/26 darf ich Gastgeberin des “Schönheitssalons” an der Berliner Urania sein. Jeden Monat greife ich dort mit meinen Gästen aus Popkultur, Wissenschaft und Medien aktuelle Debatten über Schönheitsideale und Ästhetiken auf. Was steckt unter den Oberflächen unserer Zeit und was ist daran politisch?

Zusammen ergründen wir die unterschiedlichsten Perspektiven auf Schönheit. Wie in meinem Buch “Wie wir so schön wurden” sammeln wir uns aus Medizin, Biologie, Psychologie, Kunstgeschichte, Pop und Medienanalyse das Rüstzeug, aktuelle Kulturpraktiken und die Sehnsüchte dahinter zu verstehen.

Schönheitssalon – Die nächsten Behandlungen

Di, 21. April

19.30 Uhr, Urania Berlin

Das Männerideal: Schwule Ästhetik im Mainstream?

Pflege, Fitness, Körperoptimierung: Vom Schönheitsdruck unter Männern – und wie Impulse aus der schwulen Community auch die Hetero-Maskulinität neu definieren.

Kosmetik und Körperdesign für Männer ist ein boomender Wirtschaftszweig. Teile der homosexuellen Community scheinen es seit jeher besonders ernst mit der Pflege und Optimierung zu nehmen. Warum ist das eigentlich so? Und kann es sein, dass da ein neues Idealbild von Männlichkeit entstanden ist, dem sogar homophobe Kreise folgen? Vor 20 Jahren hat David Beckham eine männliche Beautykultur in den Fußball gebracht, man nannte sie vorsichtshalber „metrosexuell“. Heute sind Genderrollen fluider geworden und Maskulinität ist in ihrer jahrtausendealten Gewissheit erschüttert: konservativer Backlash einerseits, Neuausrichtung männlicher Menschlichkeit andererseits.

Dieser Wandel wird auch ästhetisch sichtbar, nicht zuletzt anhand aktueller Pop-Phänomene wie der weltweit erfolgreichen, schwulen Eishockey-Serienromanze „Heated Rivalry“ oder dem in Cannes gelobten Debütfilm „Pillion“ über eine schwule Motorradgang. Interessanterweise sind schwule Romantikerzählungen besonders bei heterosexuellen Frauen beliebt. Verändern sich dadurch auch die Anforderungen an heterosexuelle Männer? Könnte man sogar die These wagen: Schwule Ästhetik gibt jetzt den Ton an?

Ein Abend über Muskeln, Masken und Maskulinität mit Peter Rehberg, Professor für Queer Studies / Media Studies an der University of Cincinnati, und Robin Solf, Entertainer und Podcaster zu queeren Themen.

Di, 19. Mai

19.30 Uhr, Urania Berlin

Beauty-Werbung online: Gehört das auf den Index?

Von Körperwahrnehmungsstörungen bis zur Kosmetiksucht: Wenn Jugendliche zu viel Zeit in Online-Beautywelten verbringen, können sie krank werden. Soziale Medien bestehen in weiten Teilen aus ungekennzeichneter Kosmetikwerbung. Ist es utopisch, das eindämmen zu wollen? Hilft jetzt nur noch Medienpädagogik? Ein „Schönheitssalon“ über die Möglichkeiten des Jugendschutzes im Internet, u.a. mit der Gastgeberin Rabea Weihser und Nilani Möhrle, Vorsitzende der Bundesprüfstelle für Jugendmedienschutz.

Mi, 24. Juni

19.30 Uhr, Urania Berlin

Status-Symbolik: Ist soziale Herkunft ein Look? 

Old moneynew money, diskreter Chic oder vulgärer Prunk: Wir glauben, man könne einem Menschen seine soziale Herkunft ansehen. Aber so einfach ist es nicht. Schon in der Antike ahmte die Elite nach, was die Unterschicht vormachte – und umgekehrt. Im letzten „Schönheitssalon“ dieser Spielzeit spricht die Gastgeberin Rabea Weihser mit Hanno Sauer, Philosoph und Autor des SPIEGEL-Bestsellers „Klasse“.

Schönheitssalon – Bisherige Behandlungen

Mi, 25. März

19.30 Uhr, Urania Berlin

Psychologie der Wahrnehmung: Wie erkennen wir Schönheit?

Ein Bühnengespräch über die Ästhetik im Kopf, kognitive Schubladen und wie wir sie umsortieren können

Menschen sind Augentiere. Was sie sehen und wie sie es sehen, ist einerseits biologisch und andererseits sozial geprägt. Wer begreifen will, was Menschen schön finden, muss also erstmal verstehen, was sie wahrnehmen. Wenige Wissenschaftler können das so anschaulich und unterhaltsam vermitteln wie Claus-Christian Carbon. Er ist einer der weltweit führenden Wahrnehmungspsychologen und zu Gast im Schönheitssalon im März.

Was passiert im Gehirn, wenn wir ttraktive Menschen sehen? Stimmt es, dass wir unser eigenes Spiegelbild immer kritischer bewerten als andere? Das Gehirn liebt bekanntlich Schubladen und Klischees. Wenn Abweichungen von der Norm eine kognitive Herausforderung darstellen: Wie lernen wir Toleranz? Ein Abend über Psychologie, Philosophie und die Möglichkeiten des zivilisierten Miteinanders.

Di, 24. Februar

19.30 Uhr, Urania Berlin

Das Casting-Dilemma: Zu schön, um wahr zu sein?

Strenge Körperideale in Film und Fernsehen führen zu normierter Gefälligkeit. Ist das die Welt, die wir sehen wollen? Körpertuning gehört inzwischen zum Schauspielberuf: Gemachte Brüste, Lippen, Nasen und Zähne, enthaarte Körper und faltenfrei gelähmte Gesichtszüge. Scheinbar darf niemand mehr aussehen, wie er eben aussieht. Aber wie besetzt man dann eigentlich Rollen ganz „normaler“ Menschen? Und wie gehen Schauspielerinnen mit dem wachsenden Perfektionsdruck um? Wer kann sich erlauben, da nicht mitzumachen?

In Kooperation mit dem Verband der deutschen Filmkritik e.V. ging es im Februar-Schönheitssalon um den Körper als Schauspielinstrument und wie ästhetische Ideale dieses Werkzeug möglicherweise einschränken. Die Perspektive des Publikums ist dabei ebenso wichtig: Wollen wir die Darstellenden in Bühne und Film idealisieren und anhimmeln oder uns mit ihnen identifizieren, weil sie dieselben sympathischen Makel tragen wie alle?

Zu Gast auf dem Podium waren die Schauspielerin Franziska Weisz („Tatort“-Duo Falke und Grosz, „Der Schwarm“, „Bibi und Tina“), die Casting-Direktorin Anja Dihrberg-Siebler („Call My Agent“, „3 Tage in Quiberon“, „Tatort“) und Elena Meilicke, Medienwissenschaftlerin und Mitglied des Verbands der deutschen Filmkritik.

21. Januar 2026

19.30 Uhr, Urania Berlin

Selbstoptimierung: Immer schöner, immer besser?

Schönheitsideale werden strenger und der Anpassungsdruck steigt. Im Januar der guten Vorsätze fragen wir uns im Salon: Was verändert sich im Miteinander, wenn alle „die beste Version ihrer Selbst“ werden wollen? Mit Dr. Anja Röcke und Susanne Krammer alias fraubeauty

Mit einem strengen Blick in den Spiegel beginnt für viele das Jahr. Es folgen Dry January, die neue Laufroutine, der feingetunte Schlaftracker, die antientzündliche Superdiät, die LED-Maske und das diesmal ganz bestimmt verjüngende Hautpflegesystem. Was wir uns vornehmen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu genügen, ist nicht immer sinnvoll oder gesund. Susanne Krammer berichtet, wie der Schönheitsdruck sie fast das Leben gekostet hätte. In ihrem Buch „Schön genug“ erzählt sie vom steinigen Weg zur Selbstliebe – und sie ist heute eine der erfolgreichsten Beauty-Influencerinnen des Landes. Ein Widerspruch? Die Wissenschaftlerin Anja Röcke kann sicherlich bei der Einordnung helfen, denn die „Soziologie der Selbstoptimierung“ ist ihr Fachgebiet. Unter dem gleichnamigen Titel ist 2021 bei Suhrkamp ein Buch von ihr erschienen. Zusammen erkunden wir das Spannungsfeld zwischen Alltagskosmetik, Jugendwahn, Fortschrittsglauben und Erlösungshoffnungen.

18. Dezember 2025

Die Looks des Jahres – und was sie bedeuten

Man trägt jetzt also tiefgraue Augenringe und fahle Haut? Wie praktisch! Kurz vor Weihnachten haben wir im Schönheitssalon die letzten Türchen der Wahrnehmung geöffnet. Ein heiterer Jahresrückblick mit Antonia Valentina Herbort und Ahmed Mnissi

Einmal so tun, als würde sich Günter Jauch für Fashion interessieren: Das war ein wirklich lustiger und interessanter Jahresrückblick im Dezember-Salon, mit großartigen Gästen. Antonia Valentina Herbort hat sich als junge Zeitgeistkritikerin und Modejournalistin eine große Social-Media-Community aufgebaut. Und Ahmed Mnissi ist Entertainment-gestählter Make-up-Artist und Gewinner der Castingshow “Glow up”. Zusammen haben wir uns die stärksten Trends des Jahres angeschaut. Skintelligence, Half Glam, Flush, Puppen und Gothic. Und natürlich haben wir auch das Ende Clean Girls besprochen und ob uns nächstes Jahr echte Natürlichkeit erwartet oder der Konsummaximalismus einfach nur neue Formen annimmt.

Skalpell oder Therapie: Ist der beste Beauty-Doc eine Psychiaterin?

26. November 2025

Ein Abend auf der Schneide zwischen Chirurgie und Mental Health: Diesmal ging es um den Boom der Beauty-Eingriffe. In der Hoffnung auf ein besseres Leben entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Optimierung im OP. Manchen wünscht man eher eine Psychotherapie. Kann man sich glücklich liften lassen? Darüber habe ich mit dem Ehepar Chantima und Ole Goertz gesprochen. Sie ist Neurologin und Psychiaterin, er ist ästhetischer Chirurg und Vorsitzender des Landesverbands der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. In ihrem beruflichen und privaten Umfeld wächst der Selbstoptimierungsdruck stetig. „Manchmal kann das Messer den Psychiater ersetzten oder ihm die Arbeit erleichtern”, sagt er. „Schön zu sein, bedeutet aber nicht, geliebt zu werden“, sagt sie.

Steinzeit-Beautys überall: Geschlechterklischees und konservative Ästhetiken

13. Oktober 2025

Warum verfestigt sich auf Social Media ein ästhetisches Ideal, das Männer wie Tarzan und Frauen wie Jane zeigt? Sixpack und harte Kinnlinien hier, dicke Lippen und kleine Nasen dort – ausgerechnet jetzt, da Geschlechterrollen gerade etwas flexibler wurden. Sind das Instagram Face, der Looksmaxxing-Trend, der Hype um Trad Wives und Alpha Males ein Ausdruck des Vibe Shift? Darüber habe ich mit der Buchautorin Alice Hasters und dem Kulturwissenschaftler Daniel Hornuff gesprochen.

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Sehen alle so MAGA aus. Über die Gesichtsästhetik der Trump-Administration (DIE ZEIT, 2024)

17. September 2025
Premiere

Kosmetik und Selbstoptimierung werden oft als feministisches Empowerment verkauft. Schön machen wir uns aber nur für andere. Zum Auftakt der Salonreihe habe ich mit der Politikjournalistin Yasmine M‘Barek und der Schauspielerin und Podcasterin Marie Nasemann darüber diskutiert, ob es wirklich ermächtigend ist, sich zu optimieren.

Weil du es mir wert bist: Ist es feministisch, sich zu verschönern?

Mehr zum Thema:
Wer ist die Bitch? Wie uns 30 Jahre Pop, Porno und Postfeminismus beigebracht haben, Frauen selbstverständlich zu erniedrigen (DIE ZEIT, 2025)

Eindrücke vom ersten Schönheitssalon in der Berliner Urania: